Sießener - Kreuz

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Geschichte

Das Kreuz im Walde bei Großschafhausen.
Aus dem Zeitungsbericht der Schwäbischen Zeitung vom Dienstag, den 25. März 1947
von Pfarrer Kloos, Bußmannshausen.
Wer vom Rottal ins Weihungstal wandert, wer sich von der restaurierten, aber leider
bombengeschädigten Pfarrkirche in Großschafhausen zur herrlichen Kapelle in
Jetzhöfe pilgert, der trift mitten im Walde ein großes Kreuz. Was will dieses
hl. Zeichen in der Waldeinsamkeit? Viel Fragen und Rätselraten um dieses
christliche Zeichen, das allgemein als "Sießener Kreuz" bekannt ist und auf das
die Großschafhauser, auf deren Markung es steht, so stolz sind.
Näheres erfahren wir über dieses Kreuz in dem "Schwendier Lorbeerbaum".
Mit dieser Bezeichnung ist ein handgeschriebenes Buch gemeint. Verfaßt ist der
"Schwendier Lorbeerbaum" im Jahre 1695 von Joh. Bapt. Endreß. Nach dem von Schwendi
gebürtigen Historiker Pfarrer Dr. Joh. König in Kleinbierlingen, der uns
das Material aus seiner reichen Sammlung gütigst zur Verfügung stellte, war
Endreß, damals Kandidat der Theologie und beider Rechte in Argen. Nach dem
verewigten Pfarrer Joh. Brancle in Schwendi, der schon vor Jahren über dieses
Buch schrieb, war der Verfasser damals bereits Pfarrer in Argen. Gemeint ist
damit Langenargen am Bodensee. In diesem Buche finden wir hauptsächlich eine
Darstellung des ortsadeligen Geschlecktes von Schwendi. Zwischendurch wird
auch von anderen Begebenheiten berichtet, so z. B. über den Kreuzpartikel, dem
das Kreuz im Walde sein Dasein verdankt.
Anno 1690, auch schon vorher wie nachher, schwärmte als Krämersleute verkleidet.

Eine böse Rotte von Dieben und Kirchenräubern im Lande umher, die sich
allerorts ehrbar zeigten, aber alle Kirchen des ganzen Schwabenlandes von
Kelchen, Monstranzen und Silbergeräten zu berauben trachteten. So raubten sie
aus der Klosterkirche zu Ulm/Donau 14 Kelche.

Nun war nach Mindelzell, einer zu dem Reichsgotteshaus Urperg gehörigen
Pfarrei, vor etlichen hundert Jahren ein echter Partikel des hl. Kreuzes feierlich--
übertragen und mit Gold und Silber geziert worden. Auf dieses hatten es
die frechen Kirchenräuber besonders abgesehen. Weil aber der Schatz in der
Sakristei so wohl verwahrt war, daß er auch in den räuberisch schwedischen
Zeiten sicher und ungefunden geblieben ist, machte sich einer aus dieser bösen
Rotte und schlimmen Gesellschaft an einem Fest, da der Schatz auf dem Altar
ausgestellt gewesen, in die Sakristei zu dem Geistlichen unter dem Vorwand,
er wolle sich in die Bruderschaft einschreiben lassen. Aber er suchte nicht
die Aufnahme in die Bruderschaft, sondern er merkte auf, wo und wie der kostbare
Schatz mit dem Kreuzpartikel verwahrt werde. Die List gelang ihm auch,
er sah zu, wohin man den Partikel verschloß. Jetzt war der Plan bald gemacht.
Nach etlichen Tagen brach er mit sechs der Stärksten durch die eisernen Gitter
der Sakristei, dann verhängten sie die Fenster mit Meßgewändern, damit man keine
Lichter nach außen wahrnehmen konnt, brachen das Behältnis auf, raubten den
völligen Schatz samt dem hl. Partikel gottesräuberisch und zogen davon.
Sie gingen zunächst über die Iller in die Schwendischen Wälder. Da die böse
Rotte sicher zu sein glaubte, setzten sie sich zwischen Großschafhausen und
Jetzhöfe unter einen Eichbaum, betrachteten, zerschlugen und teilten den Raub,
jedoch so, daß das Silber beisammen bleiben sollte, bis es an den Mann gebracht
und vom erlösten Geld eines jeden Teil beigeschafft werden möge. In dieser
Teilung kam auch der in ein güldenes Käpselein gefaßte Splitter des hl. Kreuzes
und waren die Räuber bereits entschlossen, selbiges gleich anderem zu Zertrümmern,
da äußerte einer den Wunsch, das Kreuzlein zu haben, er wolle es
seinem Weibe als Kram heimbringen, in was die anderen auch einwilligten. Danach
begaben sie sich weiter nach Biberach.

Am gleichen Tage als die Teilung geschah, befand sich die versammelte
Gemeinde Schwendi und Großschafhausen bei einem Ziegelstadel nahe an dem
Wald. Dieses Gebäude ist abgebrochen und stand i n der Nähe des Bildstöckleins
an der Straße. Die beiden versammelten Gemeinden waren willens , von einer
gnädigen Herrschaft Brennholz kaufen, m i t ihren Äxten und Holzhauen versehen.
Dabei war auch der gestrenge und hochgelehrte Herr Johann Christoph Hermann
gräfl. öttingischer Obervogt. Zufällig kamen die sechs Gottesräuber des Weges.
daher und sahen sich plötzlich dem Obervogt und der Gemeinde gegenüber. Als
der Obervogt diese sechs mit dem Raub beladenen Bösewichte hertreten sah, so
redete er sie ohne allen Argwohn an: "Wo kommt ihr her?" Diese gaben aber
keine Antwort und eilten fort , so daß die beiden Gemeinden befehligt wurden,
sie einzufangen. Fünf Räuber sprangen mit großer Schnelligkeit in den
Wald, der sechste gegen Großschafhausen. Dieser wurde gefangen. Mittels der Folter
erfahr man von ihm die gründliche Wahrheit, er nannte seine Genossen mit,
Namen mitsamt den Orten, wo sie sich aufzuhalten pflegten .
Drei der von, darunter der Hauptdieb und Rädelsführer Benedikt Brechtel,
befanden sich in Ehingen a. d. Donau. Die Stadt Ehingen nahm sich der Auslieferung
an, sperrte  sie einige Tage ein , bis dahin sollte der Beweis geliefert
werden, sonst wurden sie freigelassen . Die beiden andern hießen Melchior
und Hans Vögele. Alle drei waren beim Dragonerregiment und darum wollte auch
der Rittmeister wegen des Werbegeldes sie nicht ausliefern . Deswegen schickt
Schwendi 12 Dukaten und dann gings. Bei der Tortour hatte der zuerst gefangene
noch weiter gestanden, sein Weib sei in Bergerhausen bei Biberach. Der Schwendier
Obervogt Hermann setzte sich sofort zu Pferde nebst dem Jäger und zwei
Gerichtspersonen und ritten nach Bergerhausen. Hier erfuhren sie, daß den
eigentlichen Partik l eine Wirtin in Saugart bei Uttenweiler i n Besitz habe. Von
dieser bekamen sie ihn und er wurde den dritten Tag darauf unter höchster Freude
und Tröstung in das Schloß Schwendi eingebracht, wo ihn die Gräfin Johanna
von Oettingen i n Empfang nahm und aufbewahrte.

Den Gefangenen machte man den gebührenden Prozeß. Sie wurden zu Schwendi
hingerichtet und das Gerücht sagt , sie haben es geduldig gelitten und dem
Urteil nicht widersprochen. Im herrschaftlichen Grundbuch von 1695 heißt es ,
daß Benedikt Brechtel nach am Galgen hange, Veit Pfister liege auf dem
Rad und Melchio Vögele sei vergraben.

Den Mindelzellern wir indessen die Kunde geworden, ihr Schatz sei gefunden
worden. S i e begaben sich nun ins Schloß nach Schwendi und ersuchten d i e
Gräfin Johanna von Oettingen um Auslieferung desselben. Die Gräfin verlangte
500 Gulden Entschädigung f ü r d i e Besorgung, der Aufbewahrung usw. e r h i e l t
jedoch dieselben nicht . Wohl aber bekam sie einen Teil des echten Kreuzpartikels.
Dieser kam am 10. Mai 1691 nach Schwendi und ist dort in der Pfarrkirche
zu sehen.
Soweit der Bericht des "Schwendier Lorbeerbaums". Vergleichen w i r hiermit
auch das Bild i n der Schwendier Kirche am Chorbogen. Es will die Auffindung
der Räuber des Kreuzpartikels im Großschafhausener Wald darstellten . Damit
zusammenhängend ist sicherlich auch das Hauptdeckengemälde i m Schiff der
Kirche angebracht worden: Die Auffindung des h l . Kreuzes auf dem Kalvarienberg
durch die Kaiserin Helena. Es wurden drei Kreuze aufgefunden. Um nun das
Kreuz Christi zu erkennen, legte man ein krankes auf jedes Kreuz. Bei
einem trat plötzlich Heilung ein. Diese Begebenheit ist auf dem Bilde dargestellt.

Doch zurück zum Kreuz im Walde! Jene Eiche, unter der vor über 250 Jahren
die böse Rotte, die Kirchen- und Gottesräuber den Mindelzeller Kreuzpartikel
zertrümmert und verteilt haben, ist längst gefällt worden. An die Stelle der
Eiche wurde ein Kreuz gestellt . Dieses ursprüngliche Kreuz ist aber alters-
schwach und morsch geworden. Während des Krieges haben dann die gut und
christlich gesinnten Holzmacher ein neues großes Eichenkreuz erstellt.
Und dann kam ein braver und gläubiger Soldat vom bösen Kriege Heim und hat
aus Freude darüber, daß das Sießener Kreuz noch steht trotz allem Sturmblasen
gegen Christi Kreuz in den vergangenen Jahren aus Dankbarkeit, daß er wieder
gesund und heil sehen und vor ihm beten durfte, einen herrlichen , 1 Meter
hohen, von Bildhauer Angele i n Rot an der Rot aus Eichenholz geschnitzten
Christuskörper gestiftet .
Am Ostermontag 1947 um 14 Uhr wurde das Kreuz i m Walde eingeweiht.
Tragen wir auch heute noch und fernerhin unsere Anliegen zu diesem Kreuze.
Beten wird dort für unsere gefallenen Soldaten, legen wir dort nieder unser
und unserer Gefangenen und Vermißten Heimweh. Stehen w i r mutig und entschieden
zum Kreuze! Bleiben  wir christlich! Mit Christus dem Gekreuzigten für
Christus den Gekreuzigten! 0 heiliges Kreuz, du einzige Hoffnung sei
uns Gegrüßt!